Ist das Kunst, oder kann das weg? Dieses inzwischen geflügelte Wort kommt einen beim „Kunstprojekt Harburger Socken“ zwangsläufig in den Sinn. Klar, alte Socken können in den Müll, denkt sich der unbedarfte Zeitgenosse, dennoch fördert der Bezirk das Sammeln eben solcher mit 1.700 Euro aus Mitteln des Stadtteilkulturfonds. Der Betrag an das Künstlerkollektiv RS&T für ein Kunstprojekt, in dessen Mittelpunkt alte Socken stehen.

Auszug aus dem Projektkonzept: „Socken Transformation, Sockenobjekte werden erfunden und ausgestellt, Sockentänze werden ausprobiert und aufgeführt.“ Klar ist so viel, dass die Socken bei der alten Trinkhalle am Kanalplatz (Kulturkiosk) zusammengetragen werden, wo derweil schon einige wenige Exemplare auf einer Leine hängen.

Dafür hatten die Künstler zunächst 2.240 Euro beantragt, wovon sie allein 1.100 Euro als Honorare für sich veranschlagen. In den Unterlagen an den zuständigen Ausschuss Kultur, Sport, Freizeit (KSF) der Harburger Bezirksversammlung hatte die Verwaltung das Finanzierungskonzept des Projekts entsprechend  als „an einzelnen Stellen zumindest erklärungsbedürftig“ eingestuft. Auch das laut Kostenplan benötigte Material in Höhe von 400 Euro erschien der Verwaltung nicht plausibel.

Das hielt den Ausschuss aber nicht davon ab, auf Vorschlag des Ausschussmitglieds Holger Böhm (SPD), mehrheitlich dem Künstlerkollektiv 1.700 Euro zu genehmigen.

Hinter dem Kollektiv RS&T verbergen sich Brigitte Raabe, Michael Stephan und Piet Trantel. Trantel hatte Harburg bereits 1990 das Kunstwerk „niemandes land“ beschert, ein von Unkraut überwucherter Erdwall an der Bremer Straße beim alten Harburger Friedhof. Für dieses Objekt wendete der Bezirk damals einen fünfstelligen D-Mark-Betrag auf. Obendrein gewann Trantel  damals mit seinem Werk den Harburger Kunstpreis, der seitdem nie wieder vergeben wurde.

Es soll hier nicht darum gehen, ob das nun Kunst ist oder nicht. Das kann letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig ist, ob das Projekt einen sinnvollen Mehrwert für Harburg bringt, so dass der Einsatz öffentlicher Mittel lohnend und damit gerechtfertigt ist, oder ob das Geld zum Fenster hinaus geworfen wird.  Die Harburger Alternative für Deutschland vermag jedenfalls keine sinnvolle Ausgabe darin zu erkennen.  Für wen das Sammeln alter Socken nun Kunst ist, der soll sich gerne auf diese Weise künstlerisch verwirklichen. Aber es verbietet sich, Steuergeld dafür auszugeben, das den Werktätigen durch Lohn- und Mehrwertsteuer zuvor abgenommen wurde.