Sehr geehrter Herr Lenthe,

nachdem Sie am Dienstagabend, dem 12. September 2017, auf dem Harburger Rathausplatz zur Bier￾flasche gegriffen hatten, sorgten Sie für allerhand Gesprächsstoff. Auch innerhalb der AfD-Fraktion haben wir uns mit Ihrem Benehmen befasst und sind zu folgenden Schlussfolgerungen gekommen, die wir Ihnen in Form dieses Offenen Briefes mitteilen möchten.

Es hat uns sehr befremdet, dass ein stellvertretender Fraktionsvorsitzender, der gegenüber „sei￾nen“ Bürgern gleichsam von Amts wegen eine Vorbildfunktion hat, sich auf den Rathausplatz stellt, vollkommen ungeniert eine Flasche Bier öffnet und diese öffentlich konsumiert.

Dies taten Sie in vollem Bewusstsein darüber, dass für diese Örtlichkeit ein Alkoholverbot besteht. Sie setzten sich also vorsätzlich über eine geltende Verordnung hinweg, die demokratisch verfügt wor￾den war. Wenig unerwartet gesellten sich Ihnen einige Harburger Autonome hinzu, denn diese sind bekanntlich gerne zur Stelle, wenn es um Grenzverletzungen in jedweder Form geht.

Zum Ausdruck bringen wollten Sie nach eigenem Bekunden, dass Ihnen das Verbot ein Dorn im Auge ist. Eine Anzeige wollten Sie herbeiprovozieren. Zu Ihrem Leidwesen erschien die Polizei aber gar nicht erst, was Sie wiederum dazu anregt, „durch das Land zu ziehen, bis das Verbot gekippt wird“ (Hamburger Abendblatt vom 14. September 2017).

Als politischer Mitbewerber missbilligen wir Ihr Verhalten entschieden. Aus Ihrem öffentlichkeits￾wirksamen Griff zur Bierflasche schließen wir, dass Sie bürgerliche Anstandsregeln, die Vorausset￾zung für ein gedeihliches Miteinander sind, verachten und es Ihnen zudem an Respekt unserem Rechtsstaat gegenüber mangelt.

Was das Alkoholverbot auf dem Harburger Rathausplatz betrifft, kann man sicherlich unterschiedli￾cher Meinung sein. Auch wir haben diesem Verbot aus verschiedenen Gründen nicht zugestimmt. Aber unsere Erziehung, unsere Vernunft und unser Respekt gegenüber dem Gesetz fordern uns, Ihre armselige, infantile und beschämende Aktion scharf zu tadeln.

Sie haben sich mit Ihrer Aktion nicht nur lächerlich gemacht, sondern politisch diskreditiert. Wir for￾dern Sie dazu auf, sich für Ihr Benehmen öffentlich zu entschuldigen und unmissverständlich zu be￾kennen, dass Sie Ihre politischen Positionen zukünftig ausschließlich auf legalem Wege vertreten werden. Ihren Wählern stellen wir anheim, kritisch darüber zu reflektieren, ob Sie zur Übernahme politischer Verantwortung in einem demokratischen Rechtsstaat charakterlich geeignet sind.

 

Mit freundlichen Grüßen

AfD-Fraktion Harburg