Das hält unsere Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) also für Kunst: Geld aus dem Kulturetat vom „Kunstprojekt Kunstbeutelträger“ ist auch bei den Chaoten von der Roten Flora gelandet.

Insgesamt werden in diesem Jahr 80.000 Euro aus dem Kulturetat (plus 20.000 Euro von der Körber-Stiftung), also überwiegend Steuergeld, von sogenannten „Kunstbeutelträgern“ nach eigenem Gusto an „freie Künstler“ verteilt. Die Identität dieser Geldverteiler hält die Kulturbehörde vor der Öffentlichkeit geheim.

Doch das Geld kommt nicht nur mehr oder weniger talentierten Künstlern zugute. 2014 hat Senatorin Kisselers anonymer Geldverteiler auch die Chaoten von der „Roten Flora“ mit 4.000 Euro bedacht.

Das „Schwabinggrad-Ballett“ erhielt ebenfalls 1.000 Euro. Mit Ballett a la John Neumeier hat diese Gruppe  jedoch nichts zu tun. In seiner Begründung für die Zuwendung erzählt der „Kunstbeutelträger“ freimütig, wie dieses „aktivistisch künstlerische Kollektiv“ auf einer Demo als Spielmannszug verkleidet einen Polizeieinsatz behindert hat.

Überhaupt wird der Kunstbegriff mehr als weit gefasst. Das muntere Geldverteilen selbst will der Senat als eigenständiges Kunstprojekt verstanden wissen, bei „dem die experimentelle, befristete Anordnung im Vordergrund steht“ (Senatsdrs. 21/3085). Dass die Öffentlichkeit nicht erfahren darf, wer das Steuergeld unter Kunstvolk und Chaoten wirft, ist ebenfalls unverzichtbarer Bestandteil dieses Kunstprojekts. Und weil die Kunst des Geldverteilens harte Arbeit ist, bekommt auch jeder Kunstbeutelträger noch eine „Aufwandsentschädigung“ in Höhe von 2.500 Euro.

In der profanen Realität funktioniert das so: Eine kleine Gruppe von „Kunstinteressierten“ mit gutem Zugang zum Amtsleiter der Kulturbehörde handelt unter sich die Personen aus, die das Geld anonym verteilen sollen. Dieser „Kunstbeutelträger“ genannte Geldverteiler kann das Geld ganz nach eigenem Ermessen irgendeinem „Künstler“ zuwenden, ohne dafür jemanden Rechenschaft schuldig zu sein.

Neben der Alimentierung von Chaoten treibt diese Art der Geldverteilung vor allem die Kunst der Spezi-Wirtschaft zu großer Blüte. So erhielt Nora Sdun 2014 vom unbekannten „Kulturbeutelträger“ 1.000 Euro aus Steuergeldern. Anrüchig wird der Vorgang, weil Nora Sdun im Vorjahr noch der Kommission angehörte, die den Geldverteiler im Jahre 2013 bestimmte. Das Geld, so wird auf der Webseite des Kunstbeutelträgers von Kommentatoren beklagt, sei in den vergangenen Jahren nicht über einen bestimmten Klüngel hinaus gekommen.

Aber das kann sich ja noch ändern. Verteilte ein „Kunstbeutelträger“ 2013 nur 40.000 Euro, waren es 2014 schon 50.000 Euro. Nach einer, wohl den Bürgerschaftswahlen geschuldeten Pause im Jahre 2015, müssen sich in diesem Jahr gleich zwei Kulturbeutelträger damit abmühen, jeweils 50.000 Euro loszuwerden, wegen der „grundsätzlich positive Resonanz“ (Drs. 21/3085).

Die Liste der Ungereimtheiten ließe sich noch länger fortsetzen. Es zeugt von einem gerüttelt Maß an Unverfrorenheit, der Öffentlichkeit dieses unverschämte Verschleudern von Steuergeld als Kunst verkaufen zu wollen. Davon abgesehen gibt es vernünftige Dinge, die förderungswürdig sind, für die der Senat kein Geld übrig hat. So hat er die jährliche Förderung in Höhe von 32.000 Euro für das Institut für niederdeutsche Sprache gestrichen. Dazu demnächst mehr an dieser Stelle.